Es wird ja in der Diskussion um Parteien gern gewitzelt über Guido und seine Truppe. Spaßpartei, Umfaller, Partei der Besserverdiener (das größte Eigentor in der Geschichte des Parteienmarketings). Trotzdem, in der Gruppenschlaftherapie der volksparteilichen Wahlkampfgladiatoren tut sich Guido mit seinem Gefolge als angenehm offen formulierender Teilnehmer mit klaren Ansagen und logischen Gedankengängen hervor. Ich gebe zu, ich gehöre ohnehin zur gelben Stammwählerschaft, aber diesesmal hab ich zum ersten mal auch Westerwelles Wahlkampfmethode gutheißen können. Argumentativ ist der Parteichef in Höchstform.
Heute nun Parteitag und der Beschluß, die Ampel auszuschließen. Das dürfte nicht sonderlich schwer gefallen sein, zu antagonistisch sind die Positionen im Vergleich zu beispielsweise den Grünen. Eine Koalition wäre hier, sollte sie denn theoretisch zustande kommen, entweder handlungsunfähig oder ratfatz wieder aufgelöst. Also dürfte der Spruch, sich nicht als Mehrheitsbeschaffer für Rot-Grün herzugeben, keine schwierige Übung gewesen sein.
Bleibt die Frage, was passiert dann. Möglichkeit A ist die Opposition in einer Rotgrünen Regierung. Das wäre bequem und es ließe sich mit gespitzter Zunge weiterformulieren, was eignetlich besser für unser Land sei.
Möglichkeit B ist die Opposition zum Rotschwarzen Bund. Nun, das kennen wir bereits. Nur piesackt man die Regierenden nicht soo dolle, den einen braucht man schließlich noch.
Möglichkeit C ist die Regierungsbeteiligung. Das ist schließlich der Sinn einer Wahl. Aber auch als FDP-Anhänger stellt sich mir hier die bange Frage: Was von den liberalen Positionen fällt dem Koalitionsvertrag zum Opfer. Juniorpartner bleibt schließlich Juniorpartner. Noch tönt Herr Westerwelle, daß es ihm zunächst mal nur um seine eigene Partei und deren Programmatik geht - einverstanden - aber was nach der Wahl? Eine sozialdemokratisierte CDU von 2009 hat sicher ein paar grundlegend andere Ansichten, als der reinrassig schwarze Block seinerzeit unter Kohl. Das wird nicht leicht. Ganz bestimmt nicht. Und genau hier muß Westerwelle aufpassen, daß er den argumentativ glaubwürdigen Wahlkampf nicht durch den Willen zur Macht ad absurdum führt und sich und seine Partei um der Regierung willen beschädigt.
Im Moment sieht es so aus, als hätte er die notwendigen Eier in der Hose, einer möglichen Koalition einen gelben Anstrich zu geben, hoffen wir, daß es sich dabei nicht um billige Wasserfarbe handelt.
PS: Was passiert, wenn weder schwarz/gelb noch schwarz/rot noch rot(rot)/grün über die magischen 50% kommen, wird sicher interessant. Schaun mer mal.
BTW: Es ist mir wurscht, was ihr wählt - aber wählt!
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